In der graubraunen Winterdecke kaum zu sehen: die signifikanten Flecken. Sowohl bei Erregung als auch bei drohender Gefahr können die Spiegelhaare abgespreizt werden.

Gekommen, um zu bleiben?

„Shika“ ist das japanische Wort für Hirsch. Der „Nippon-Hirsch“ kommt in Ostasien in mehreren Unterarten vor. Einst nur dort beheimatet, wurde der Verwandte des Rothirsches in vielen Teilen der Erde, wie auch in Deutschland, angesiedelt. Hierzulande entfacht das Sikawild hitzige Debatten: Ist es heimisch oder nicht heimisch? Und was bedeutet die Unterscheidung für den Umgang mit dieser Wildart? Eine Bestandsaufnahme unseres Wildbiologen Dr. Janosch Arnold

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Sikawilds liegt in Ostasien, es erstreckt sich vom Südosten Sibiriens über Ostchina, Japan, Taiwan und die südliche Mandschurei bis nach Korea. Als Park- und Jagdwild wurde die anpassungsfähige Hirschart in viele Regionen der Welt verbracht, so auch in die meisten Länder Europas, in die Vereinigten Staaten von Amerika, auf die Philippinen und in die Russische Föderation. In seinen Ursprungsgebieten existieren zahlreiche Unterarten (Harris 2008, www.iucnredlist.org). Die Abgrenzung der einzelnen Unterarten voneinander ist teilweise nicht ganz eindeutig. Viele Populationen in freier Wildbahn sowie in Zoos und Wildgehegen bestehen aus Unterarthybriden. In Europa und anderen Regionen, in denen das Sikawild durch den Menschen etabliert wurde, lässt sich daher in der Regel nicht mehr feststellen, welcher Unterart die eingeführten Tiere angehören. Die meisten Einführungen gehen auf den Japanischen Sikahirsch (Cervus nippon nippon), aber auch auf den schwereren, auf dem russischen Festland vorkommenden Typ Cervus nippon hortulorum zurück (bekannt auch als Dybowski-Hirsch).

 

Biologie
Der Sikahirsch (Cervus nippon Temminck 1838) ist ein naher Verwandter des hierzulande autochthonen Rotwilds (also einer einheimischen, in der Region evolvierten oder selbstständig zugewanderten Art). Wie auch der Rothirsch gehört er zur Familie der Hirsche (Cervidae) und zur Unterfamilie der Echten Hirsche (Cervinae). Der Sikahirsch ist jedoch kleiner als der Rothirsch, seine Größe liegt zwischen Rotwild und Damwild. Mit Letzterem kann er leicht verwechselt werden, da auch beim Sikahirsch die adulten Tiere die charakteristischen weißen Flecken im Haarkleid aufweisen. So ist die Sommerdecke meist rotbraun mit zahlreichen Flecken, die in Längsreihen angeordnet sind. Im Winter verblassen die Flecken fast vollständig, das Fell ist dann braun oder von einem dunklen Graubraun. Beide Geschlechter tragen im Winter eine dichte Brunftmähne, ein dunkler Aalstrich zieht sich bis über den Wedel. Weitere Merkmale sind der den kurzen Wedel umgebende weiße Spiegel, der bei Erregung weit gespreizt werden kann und das Tier optisch vergrößert. Auffallend ist auch eine helle Haarbürste der Metatarsaldrüse an den Außen-seiten der Hinterläufe unterhalb des Sprunggelenks.

 

Sikahirsche bilden im Gegensatz zu Damhirschen keine Schaufeln aus. In der Regel besitzen die Geweihe erwachsener männlicher Tiere bis zu jeweils acht Enden und eine Länge von bis zu 80 Zentimetern. Der Körper ist gedrungen, das Haupt eher zierlich. Das Wild erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 100 bis 155 Zentimetern, die Schulterhöhe beträgt etwa 65 bis 110 Zentimeter. Sikawild erreicht ein Gewicht von durchschnittlich 30 Kilogramm bei Alttieren und 35 bis 55 Kilogramm bei den Hirschen. Einzelne Unterarten können Körpergewichte von 80 bis 110 Kilogramm erreichen (Large Herbivore Network 2015). Die Lebensweise ähnelt der des Dam- und Rotwilds, wobei männliche Sikas meist solitär unterwegs sind.

 

| Text: Dr. Janosch Arnold || Fotos: Reiner Bernhardt | Ottfried Schreiter/Martin Moxter/imageBROKER/Helge Schulz/www.premium.de | Tierfotoagentur.de/W. Schäfer | Sven-Erik Arndt | David Kjaer/naturepl.com |

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 02/2015.

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