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Wieselflinke Superjäger

Meist führen sie ein verborgenes Leben, aber ab und zu sieht man sie über die Bildfläche huschen: ein Mauswiesel oder ein Hermelin. Dann sind sie wahrscheinlich auf der Jagd. Sie sind zwar klein, aber dennoch in der Lage, mithilfe ausgefeilter Jagdtechniken Beutetiere mit einem höheren Körpergewicht als dem ihren zu überwältigen. Als Jagdwild spielen sie eine untergeordnete Rolle, aber ihre Lebensweise fasziniert.

Das Mauswiesel (Mustela nivalis) und das Hermelin (Mustela erminea) gehören zu der Gattung Mustela, deren Arten gemeinhin als Wiesel, Iltisse und Nerze bezeichnet werden. Früher fand sich – neben dem Europäischen Nerz (Mustela lutreola) – in dieser Gattung auch der Amerikanische Nerz, auch als Mink bekannt, der nach neueren Erkenntnissen jedoch nicht nah mit dem Europäischen Nerz verwandt ist und heute meist in einer eigenen Gattung, Neovison – mit der Artbezeichnung Neovison vison, geführt wird (Wilson & Reeder 2005). Die Gattung Mustela reiht sich ein in die Familie der Marder (Mustelidae), zugehörig der Überfamilie der hundeartigen Raubtiere (Canoidea). In der Familie Mustelidae und der Unterfamilie Mustelinae ist weiterhin die Raubtiergattung Martes (Echte Marder) zu finden, u. a. vertreten mit den Arten Baummarder (Martes martes) und Steinmarder (Martes foina). Eine weitere bei uns vorkommende Mustela- Art ist der Europäische Iltis, auch Waldiltis genannt (Mustela putorius). Als Wiesel werden mehrere Arten aus der Gattung Mustela bezeichnet, bei uns beheimatet sind das Mauswiesel und das Hermelin. Alles an ihnen ist auf den karnivoren Lebensstil und das Leben eines Jägers in meist dunklen und engen Lebensbereichen ausgelegt. Oft werden die Großkatzen Afrikas als ultimative Jäger dargestellt, aber in Relation zu ihrer Körpergröße sind die Wiesel ihnen gleichauf.

 

Erbeutet werden vor allem Mäuse, aber auch andere Kleinsäuger wie Ratten (vom Hermelin), Bilche, Junghasen und -kaninchen sowie Reptilien und Amphibien, Kleinvögel, Jungvögel und Eier, aber auch Würmer und Insekten stehen auf dem Speiseplan. Insbesondere die Mäuse spielen eine große Rolle in der Ernährung von Hermelin und Mauswiesel: Ihre Bestandsdichte wird signifikant von der Mäusedichte beeinflusst (beim Mauswiesel noch viel stärker ausgeprägt). So spiegeln Bestandsentwicklungen der beiden Kleinsäuger oft die Mäusezyklen ab (King und Powell 2007).

 

Ihr auf die Jagd spezialisierter Lebensstil spiegelt sich u. a. in der Schädel- und Körperform wider. Der Schädel ist ungewöhnlich lang und schmal, er weist besonders große Flächen für Muskelansätze der Kau- und Halsmuskeln für einen extra starken Biss auf, und er umschließt ein großes Gehirn (Radinsky 1981). Ihre Zähne sind auf das Zerteilen von Fleisch spezialisiert. Die vier Reißzähne, die beiden oberen Prämolaren und der erste untere Molar auf jeder Seite des Kiefers, sind dafür von besonderer Bedeutung. Mit ihnen zerteilen und kauen sie Muskeln, Sehnen und auch Knochen im Mundwinkel, wie es auch bei Hunden zu beobachten ist. Durch den Schneidevorgang selbst schärfen sich die Zähne immer wieder nach (Mellet 1981). Den Wieseln ist ein lang gestreckter, schlanker Körper mit kurzen Gliedmaßen gemein. Kein Bereich des Körpers ist breiter als der Schädel, passt dieser irgendwo hindurch, passt auch der Rest. Der Hals ist so lang, dass das Wiesel Beute schleppen kann, ohne dabei auf sie zu steigen. In Bewegung sieht es fast so aus, als hätten die Wiesel keine Knochen, schnelle, geschmeidige Bewegungsabläufe und teils bizarre Körper verbiegungen sind ihnen eigen. Die Gelenke zwischen den Wirbeln sind so beweglich, dass die kleinen Tiere sich herumbiegen und auf ihren Hinterläufen zurückgehen können. Mit den kurzen Läufen können sie sich flink in Nagetiergängen fortbewegen, aber Wiesel sind auch versierte Kletterer. Häufig klettern sie bei der Nahrungssuche auf Bäume oder Büsche. Sie können dabei ihre Knöchel drehen, sodass sie auch kopfüber nach unten zu klettern in der Lage sind (King and Powell 2007).

 

| TEXT: JOHANNA MARIA ARNOLD UND DR. JANOSCH ARNOLD |

Fotos: Espen Bergersen, Danny Green, Paul Hobson, Edwin Giesbers, Oriol Alamany, Erlend Haarberg/naturepl.com |

 

 

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 01/2019.

 

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